Bereitstellung von Indoor-Karten-Daten

Neben der halbautomatischen Datenerfassung und Kartographierung, ist die Bereitstellung der gesammelten Informationen in zugänglicher Form für Zielgruppen mit verschiedenen Informations- und Interaktionsbedürfnissen ein zentraler Aspekt des AccessibleMaps-Projekts. Wir wollen verschiedene Lösungen entwickeln, um gesammelte Informationen über Gebäude und über die Zugänglichkeitsmerkmale (auch Barrierefreiheitsfeatures genannt) in Gebäuden für Menschen mit Sehbehinderungen, Menschen mit Blindheit und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich zu machen.

Wie können unsere verschiedenen Zielgruppen auf die gesammelten Indoor-Kartendaten zugreifen?

Insgesamt werden derzeit im Rahmen des AccessibleMaps-Projekts Lösungen in mehreren Bereichen erforscht, entwickelt und getestet:

Die im Rahmen dieses Forschungsprojektes entwickelten Prototypen sind als OpenSource-Software auf GitHub zugänglich. Weitere Informationen sind auch auf unserer OSM-Wiki Seite zu finden.


Taktile Karten

Taktile, fühlbare Karten können Gebäudedaten zugänglich für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Blindheit darstellen. Sie bestehen aus erhabenen Linienmustern, Symbolen und Flächentexturen, die als Farbersatz dienen. Im Projekt „AccessibleMaps“ ist es unser Ziel, angepasste taktile Gebäudekarten auf Basis von OSM-Daten automatisiert zu erstellen, um so nicht nur die Karten-Daten, sondern auch die Erstellung taktiler Karten barrierefrei zu gestalten.

Deshalb wird im Rahmen des Projektes ein Taktiler Renderer für Gebäudekarten-Daten entwickelt. Dieser erstellt SVG-Dateien auf Basis von OSM-Daten, die für die taktile Ausgabe geeignet sind. Im Projekt werden vor allem Karten als Schwellkopie oder als Prägedruck erstellt und getestet.

Gebäudekarten für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

Herkömmliche Kartendarstellungen ermöglichen die Interaktion mit einer visuellen Karte sowie den darin enthaltenen Informationen. Diese werden mit Hilfe unterschiedlicher Symbole, Kartenbeschriftungen oder Farbgebungen kodiert. Diese Darstellungen können für Menschen mit Sehbeeinträchtigung – abhängig von der Art der Sehbeeinträchtigung – herausfordernd sein. Kontrastarme oder für Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten ungeeignete Farbdarstellungen führen dabei häufig zu Schwierigkeiten in der Wahrnehmung. Im Projekt „AccessibleMaps“ sollen deshalb Lösungen für angepasste Kartendarstellungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigung erforscht werden. Dafür wurde ein erster Prototyp entwickelt, um verschiedene Konzepte der Darstellungsanpassung von Gebäudekarten zu erproben.

Screenshot des Prototypen. In der Mitte ist eine Gebäudekarte mit verschiedenen Markern und Symbolen zu sehen. Die Räume haben unterschiedliche Farben. Links ist eine Legende mit 6 Einträgen, wo die Farben erklärt werden. Am unteren Rand ist eine Einstellleiste mit den Buttons: red-green, blue-yellow, black-white, default, zoom in, zoom out, -1, 0, 1, 2, 3 und show Navigation. Am rechten Rand ist eine Navigationsleiste mit einer Suchfunktion für Gebäude und einer Indoor Suche, Anpassungen für die Kartenumgebung, den Karten Hintergrund, Farbstärken.
Screenshot des Prototypen mit angepasster Farbdarstellung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

Barrierefreie, Mobile Interaktion mit Indoor-Kartendaten

Wir haben verschiedene Lösungen für die barrierefreie Interaktion mit digitalen Kartendaten auf mobilen Geräten untersucht. Daraus wurden anschließend geeignete Ansätze für die weitere Forschung und Entwicklung ausgewählt.

Mögliche Lösungen für die barrierefreie mobile Interaktion mit Indoor-Kartendaten werden in einer Grafik dargestellt. Zu diesen Lösungen gehören die Screenreader-basierte Interaktion, die sprachbasierte Interaktion und die haptische Interaktion.
Lösungen für die barrierefreie und mobile Interaktion mit digitalen Indoor-Kartendaten

Screen-Reader-basierte Interaktion

Um Indoor-Kartendaten auf mobilen Geräten sowohl für Nutzende mit Sehbehinderungen als auch für Nutzende mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich zu machen, haben wir eine Lösung entwickelt, welche die visuelle Darstellung von Karten mit der Kompatibilität für Screen-Reader (SR) Interaktion kombiniert.

Dadurch ist eine einzige Anwendung für sehende Menschen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Menschen mit Blindheit zugänglich. Dies ermöglicht darüber hinaus die Interaktion zwischen blinden/sehbehinderten und sehenden Menschen. So kann z. B. eine blinde Person die entstandene Anwendung nutzen, um eine sehende Person um Orientierungshilfe in einem Gebäude zu bitten; beide Parteien können mit derselben mobilen Anwendung interagieren, während die sehende Person bei der Orientierung im Gebäude unterstützt.

Sprachinterface-basierte Interaktion

Da eine sprachgesteuerte Benutzerschnittstelle (engl. Voice User Interface, VUI) für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Menschen mit Sehbehinderungen und Menschen mit Blindheit zugänglich ist, kann sie verwendet werden, um Informationen über Barrierefreiheitsfeatures und allgemeine Informationen über Gebäude auf barrierefreie Art und Weise bereitzustellen.

Wir entwickeln derzeit eine prototypische VUI-Anwendung, die:

  • die Nutzer:innen vor/bei der Besichtigung unbekannter Gebäude durch die Bereitstellung von Informationen über Zugänglichkeitsmerkmale unterstützt
  • einen natürlichen Dialogfluss bietet
  • bereitgestellte Informationen an die Bedürfnisse der Nutzenden anpasst
Es wird ein Informationsflussdiagramm für das Sprachbenutzerschnittstellenkonzept gezeigt. Das Konzept unterscheidet zwischen Nutzern mit Sehbehinderung und Nutzern mit Mobilitätsbehinderung. Die bereitgestellten Informationen über die Zugänglichkeitsmerkmale werden entsprechend ausgewählt.
informationsfluss des vui konzepts: Informationen über Zugänglichkeitsmerkmale werden entsprechend den Bedürfnissen der Zielgruppe ausgewählt und ausgegeben